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Nach dem „großen Krieg“ gelten die Hauptsorgen des schwer geschädigten Frankreichs vorerst dem  Wiederaufbau und, da man den Frieden als ungewiss betrachtet, der Landesverteidigung. Erste Untersuchungen werden  in  den frühen 1920er Jahren durchgeführt. Der Bau der später Maginot-Linie genannten Landesbefestigung beginnt im Jahr 1929. Durch die Überzeugungskraft des Kriegsministers André Maginot bewilligt die National-Versammlung am 14. Januar 1930 mit 90% Zustimmung die benötigten Geldmittel. Die riesige Baustelle an den Grenzen zu Luxemburg, Deutschland und Italien wird bis zum militärischen Zusammenbruch im Jahr 1940 bestehen.

Beim Ausbau der Maginot-Linie wird das Rheintal etwas stiefmütterlich behandelt. Da der Strom von sich aus schon ein wirksames Hindernis zu bilden scheint, wird hier kein einziges Artillerie-Werk gebaut. Stattdessen wird die Linie mit etwas sparsam gesäten Infanteriebunkern ausgestattet. Straßburg und die wenigen vorhandenen Rhein-Brücken werden durch einigermaßen dichter angelegte Befestigungsbauwerke verteidigt, sonst aber sind nur relativ locker gestreute, wenn auch solide  Bunker vorgesehen. Erst bei Ausbruch des Krieges beginnt das Militär mit Eigenmitteln eine Vielzahl von kleineren Blockhäusern und Feldbefestigungen zwischen den existierenden Bunkern zu errichten. Diese Anlagen werden dem deutschen Angriff im Juni 1940 nur einen schwachen Widerstand leisten können.

Auf der  Höhe von Drusenheim besteht die Hauptverteidigungs-Linie direkt am Ufer aus drei „Uferkasematten“, welche den Schiffsverkehr auf dem Strom und den Zutritt zur Pontonbrücke verwehren sollen. Hinzu kommen der Unterstand bei der „alten Schanze“ als zweite Verteidigungslinie etwa 500 m hinter dem Ufer und eine Kasematte der dritten Linie, der sogenannten “Dörferlinie”, etwa 1 km südlich Drusenheim. Es sind auch zahlreiche kleine Blockhäuser auf dem Hochwasserdamm und entlang den Waldrändern von Drusenheim und Soufflenheim angelegt worden. Als Leitstelle für diesen ganzen Verteidigungsabschnitt dient ein  Gefechtsstand am östlichen Rand von Drusenheim, neben der Straße nach Rohrwiller.
Ab 1935 werden die Kasematten mit einer geringen Anzahl Soldaten als ständige Bereitschaft und der Unterstand mit zumindest einem Telefonisten belegt. Als permanente Unterkunft für die Truppe dienen aber eher ein Gebäude ca. hundert Meter rückwärts vom Unterstand neben der Rhein-Straße und eine Kaserne südlich Drusenheim, an der Straße nach Herrlisheim.

Bei Kriegsbeginn gibt es im hiesigen Abschnitt keine Kampfhandlungen. Lediglich die Uferkasematten eröffnen am 18. November 1939 das Feuer auf deutsche Lastkahn-Züge, welche den Strom herabfahren. Es folgt  ein anhaltendes Gefecht zwischen französischen und deutschen Befestigungswerken. Die Kähne werden versenkt, jedoch auf Kosten eines Schwerverletzten und drei Leichtverwundeter auf französischer Seite. Der Vorfall wird durch die Wochenschauen propagandistisch genutzt.

Der Unterstand wird in den Jahren 1931-32 neben einer Wege-Kreuzung am Dorfausgang ca. zehn Meter entfernt vom Muehlrhein, einem Nebenarm des Rheines, angelegt. Etwa 500 Meter vom Rhein entfernt, hat der Unterstand den Auftrag feindliche Patrouillen, welche flussauf- oder flussabwärts der Uferkasematten durchgeschlichen sein könnten, aufzufangen. Hierzu kann er die Rheinstraße und den Flusslauf des Muehlrheins mit MG-Feuer bestreichen.

 

Mit seinen 200 m³ Beton soll die Anlage einer Gruppe von 10 Mann Schutz bieten, welche im Normalfall Patrouillen für den Verteidigungsabschnitt stellt und im Gefechtsfall in Feldbefestigungen mit MG oder Granatwerfer eingesetzt wird. Zur Nahverteidigung des Unterstandes dienen 2 leichte MGs, insgesamt mit 10 000 Schuss bestückt. Ein MG ist im Schartenturm montierbar, das andere in der Schießscharte an der Rückfront des Bunkers. Diese MGs können nicht groß in eine Schlacht eingreifen, aber Hauptzweck der Anlage ist ohnehin derjenige eines Befehlsstandes und einer Telefonzentrale für den Kampfabschnitt Drusenheim.